Porzellan im Blut

Porzellan im Blut

Die Künstler der Gruppe „Weißer Elefant“ haben die Görnische Gasse 4 nicht nur als neuen Ausstellungsort entdeckt.

Das Bild vom Elefanten im Porzellanladen gefällt ihnen – auch weil sie hoffen, das bisher vernachlässigte Viertel entlang der Görnischen Gasse aus seinem Dämmerschlaf erwecken. Jetzt haben Künstler der Gruppe „Weißer Elefant“ im Anwesen an der Nummer 4 ein neues Quartier bezogen. Heute um 18.30 Uhr eröffnen sie dort ihre zweite Gemeinschaftsausstellung. Bei ihrer ersten Schau im vergangenen Jahr hatten die phantasievollen Porzellan-Kreationen für einen echten Überraschungserfolg in Meißen gesorgt. Die Erwartungen bei den Künstlern und Porzellanliebhabern sind deshalb hoch.

Gegründet wurde die Gruppe „Weißer Elefant“ erst im vergangenen Jahr. Obwohl es sich bei den fünf Künstlern um höchst unterschiedliche Individuen handelt, haben sie eins gemeinsam: Die Faszination und Liebe zum Werkstoff Porzellan. Alle fünf haben in der Porzellan-Manufaktur in den Bereichen Design und Entwicklung gearbeitet, teilweise auch gelernt. „Wir haben praktisch alle hohe Porzellananteile im Blut“, sagt Mitbegründer Olaf Fieber augenzwinkernd. Überhaupt will die Gruppe „Weißer Elefant“ nicht so bierernst betrachtet werden. Darauf lässt auch ihr Name schließen, dem eine gewisse Ironie anhaftet. Assoziationen zu den Begriffen „Elefant im Porzellanladen“ oder „Weißes Gold“ sind durchaus beabsichtigt.

Das jüngste Mitglied des Weißen Elefanten, Tina Hopperdietzel, arbeitet vorwiegend im Bereich Wandgestaltung und Dekorentwicklung. Dabei sind neben ihren Spiegelkreationen feingliedrige Malereien ihr ganz persönliches Markenzeichen. Sabine Wachs hingegen repräsentiert mehr das bodenständige Element in der Gruppe. Sie konzipierte einst das Porzellandesign „Wellenspiel“. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich hauptsächlich mit Wandgestaltung. Kapriziös und elegant präsentieren sich die eigenwilligen Porzellanfiguren von Silvia Klöde. Bei dieser Künstlerin steht die menschliche Figur im Mittelpunkt der meisten ihrer Porzellanarbeiten. Der Humorist unter den fünf Kunstschaffenden ist zweifelsohne Olaf Fieber. Er arbeitet spielerisch mit dem weißen Gold und ist sehr experimentierfreudig. Dabei kommen originelle, teilweise auch verblüffende Porzellankreationen zustande. Andreas Ehret hingegen kreiert raffinierte Porzellanfiguren, die er aufwendig aus kleinen Stücken flachgewalzter Porzellanplatten zusammensetzt. Diese werden mehrfarbig bemalt und gebrannt. Das Ergebnis sind porzellanene Wesen in zutiefst menschlichen Posen.

Die Gruppe „Weißer Elefant“ hofft, mit ihrer diesjährigen Ausstellung an den Überraschungserfolg des vergangenen Jahres anzuknüpfen. „Am schönsten wäre es aber, wenn wir durch die Vielseitigkeit unserer Ausstellung neue Interessengruppen für unsere Porzellankunst gewinnen könnten“, meint Olaf Fieber. Der Ur-Meißner und seine Mitstreiter sind davon überzeugt, dass die Gründung des „Weißen Elefanten“ eine gute Entscheidung war. „Gemeinsam repräsentieren wir einen Teil Meißener Porzellantradition, und das in einer sehr vielfältigen und innovativen Art und Weise. Als Einzelkämpfer hätten wir gar nicht die Möglichkeit, unser Schaffen einer breiteren Öffentlichkeit auf diese Weise zu erschließen.“

Jetzt hoffen die Porzellankünstler, dass ihnen das historische Anwesen in der Görnischen Gasse 4 auch nach der geplanten Restaurierung als Ausstellungsraum erhalten bleibt. Entsprechende Verhandlungen mit dem Eigentümer sind schon eingeleitet. Die Mitglieder des Weißen Elefanten können sich sehr gut vorstellen, dass ihre großzügige Ausstellungsstätte in Zukunft nicht nur ein ansprechender Rahmen für ihre Werke ist, sondern auch Musikern, Schauspielern und Autoren eine Plattform zum Austausch mit den Meißnern und Besuchern der Stadt ermöglicht.

(Quelle: Sächsische Zeitung, Karin Domann)