Adieu, weißer Elefant (Sächsische Zeitung)

Adieu, weißer Elefant (Sächsische Zeitung)

Adieu, weißer Elefant

An diesem Sonntag sind die Kunstobjekte letztmalig in der Görnischen Gasse 4 zu sehen. Die Chancen für eine Wiederkehr stehen nicht schlecht.

Olaf Fieber kann bald nichts mehr erschüttern. Erst musste der Porzellankünstler anschauen, wie Teile seines Hauses am Dammweg von den Fluten verschlungen wurden, und nun muss die Künstlergruppe Weißer Elefant von jetzt auf gleich aus ihrem Quartier in der Görnischen Gasse raus. Was ist passiert? Der jetzige Eigentümer Holger Metzig scheint einen Käufer für den maroden Vierseitenhof gefunden zu haben. Aber selbst, wenn der Verkauf noch in letzter Minute platzen würde, steht der Beginn der Sanierungsarbeiten unmittelbar bevor. Die Sächsische Aufbaubank hat dafür Fördergelder bereitgestellt. Noch-Eigentümer Holger Metzig engagiert sich seit Jahren für die Wiederbelebung der Görnischen Gasse. Daran wird sich auch nach dem Verkauf der Immobilie nichts ändern, versichert der Ingenieur, dem noch zwei weitere Häuser in der Straße gehören.

Die Weißen Elefanten sehen diese rasante Entwicklung mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Eigentlich hätten sie zwei Räume in dem die verwitterten Gemäuer bis Oktober als Ausstellungsfläche nutzen dürfen, falls sich nicht vorher die Besitzverhältnisse ändern. Das ist aber nun ganz plötzlich der Fall.

„Natürlich freue ich mich, wenn in der Problemzone Nummer 1 in Meißens Altstadt investiert wird und hier endlich etwas Neues entsteht“, sagt Andreas Ehret. Wie Olaf Fieber ist er Gründungsmitglied der Gruppe Weißer Elefant. Sein Atelier betreibt der Künstler in direkter Nachbarschaft zu den derzeitigen Ausstellungsräumlichkeiten der Künstlergruppe. Deshalb verfolgt Ehlert sehr aufmerksam, was sich in „seiner“ Gasse tut und freut sich über jede Maßnahme, der diesen vernachlässigten Winkel aus seinem Dornröschenschlaf holt.

Olaf Fieber hat den zukünftigen Besitzer des Grundstücks schon kennen gelernt. Das Treffen gibt ihm und den anderen den Künstlern vom Weißen Elefanten Hoffnung. Der neue Investor ist nach eigenen Aussagen sehr daran interessiert, die Görnische Gasse mit neuem Leben zu erfüllen. Deshalb hat er auch ein offenes Ohr für Vorschläge, die diesem Zweck dienen. Das war zumindest Olaf Fiebers Eindruck bei einem kurzen persönlichen Treffen. Der Neue hat auch direkt signalisiert, dass er den Weißen Elefant nach Beendigung der Sanierungsarbeiten auf jeden Fall an alter Stelle wieder einziehen lassen möchte. … (29.06.2013 Sächsische Zeitung, K. Domann)