900 Euro für Flutopfer

900 Euro für Flutopfer

Es ist wie ein Familienausflug, als sich die vier Mitglieder der Meißner Künstlergruppe Weißer Elefant nach Litomerice (Leitmeritz) auf den Weg machen. Die böhmische Kleinstadt an der Elbe ist Partnerstadt Meißens. Beide Städte haben in etwa die gleiche Einwohnerzahl und beide sind schwer durch die Überschwemmungen im Juni geschädigt worden.

Es ist ein Idyll, das sich auf der Hinfahrt durchs Elbtal vor den Augen der Meißner Porzellankünstler auftut. Lieblich schlängelt sich die Elbe in ihrem Bett. Flutschäden sind – oberflächlich gesehen – kaum noch wahrzunehmen.

Ein ganz anderes Bild bietet sich am Wohnort von Lukas und Kamila Balastik in Litomerice. Das Haus ist verwüstet, gleicht praktisch einer Ruine. Im Garten bieten beschädigte Haushaltsgeräte und sonstiger Sperrmüll einen traurigen Anblick. Trotzdem empfangen der tschechische Feuerwehrmann und seine Frau die Besucher aus Meißen mit einem freundlichen Lächeln, auch wenn sie ihre innerliche Traurigkeit vor den Besuchern nicht ganz verbergen können. Nach über zwei Wochen Zwangsabwesenheit konnten sie erst vor einigen Tagen wieder auf ihr Grundstück zurück.

Eingefädelt hat den Kontakt nach Sachsen Katerina Zelezna, eine junge Frau aus Litomerice, für die Meißen schon fast so etwas wie ein zweites Zuhause ist. Die junge Lehrerin gibt in der Porzellanstadt regelmäßig Tschechisch-Unterricht, in Litomerice unterrichtet sie Deutsch. Feuerwehrmann Lukas Balastik ist einer ihrer Schüler.

Als die Gruppe Weißer Elefant am letzten Juni-Sonntag in ihren damaligen Ausstellungsräumen in der Görnischen Gasse eine Benefizveranstaltung für Flutopfer mit dem ehemaligen sächsischen Innenminister Heinz Eggert veranstaltete, waren fast 900 Euro zusammengekommen. „Durch Frau Zelezna erfuhren wir vom Schicksal der Familie Balastik in Litomerice und beschlossen spontan, die eingenommenen Spenden an diese Familie zu geben“, berichtet Olaf Fieber, eines der Gründungsmitglieder des Weißen Elefanten. Auch wenn er und seine Familie in Meißen selbst stark vom Hochwasser getroffen sind, war ihm klar, dass es vor allem im Nachbarland viele Elbeanwohner gibt, die es noch schwerer haben.

Als Kamila Balastik den Umschlag mit den 900 Euro in den Händen hält, ist sie sehr gerührt: „Davon werden wir unserer Tochter ein neues Kinderzimmer kaufen, denn das alte ist total hinüber. Die siebenjährige Ema hat seelisch unter den Folgen des Hochwassers besonders gelitten. „Unsere beiden Kinder wollen nicht mehr in das Haus zurück, sie haben Angst, dass das Wasser wiederkommt“ berichtet die Mutter. Jetzt hat Familie Balastik ihr überflutetes Heim aufgegeben und richtet den Blick nach vorne. In Kürze bezieht sie ein neues Heim in sicherer Entfernung zur Elbe. Die Spende aus Meißen kommt daher zur rechten Zeit.

(Zitat/Quelle: Sächsische Zeitung, Karin Domann)