Meißner Tageblatt: Unsere Erwartungen sind weit übertroffen

Meißner Tageblatt: Unsere Erwartungen sind weit übertroffen

Seit April zeigen fünf Meißner Porzellankünstler der Gruppe „Weißer Elefant“ ihre Werke in der Görnischen Gasse: Der Zuspruch zu ihrer Ausstellung ist groß

Geschafft, aber glücklich? Ja, die Beschreibung passt. Vier der fünf Porzellan-Künstler der Meißner Gruppe „Weißer Elefant“ sind zum Interview-Termin gekommen, sie sitzen zusammen und ziehen eine erste Bilanz über ihre große Meißner Ausstellung: „Wir sind sehr zufrieden“ sagt  Andreas Ehret. „Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden“, ergänzt Olaf Fieber.

Aufmerksamkeit auf die zeitgenössische Porzellan-Kunst aus Meißen lenken: Das ist den „weißen Elefanten“ gelungen. Seit April zeigen die fünf in einem der alten Häuser der Görnischen Gasse eine Auswahl ihrer Werke. Schon die Eröffnung war ein Paukenschlag: Hunderte Gäste waren gekommen, füllten die Ausstellungsräume und standen bis auf der Straße. Und seither sei der Strom der Besucher auch nicht abgerissen, sagt Silvia Klöde. „Die ersten Berichte in der Zeitung haben Interesse geweckt. Viele haben dann über Mundpropaganda von der Ausstellung erfahren. Wir merken, dass über Wochen und Monate die Leutekommen.“

Noch bis zum 20. Oktober halten die fünf Porzellankünstler dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr ihre Ausstellung offen. Sie wechseln sich beim „Dienst“ ab. „Für jeden sind das in der Woche vier Stunden. Das ist zu schaffen, sagt Olaf Fieber. Als Künstler und Designer sind sie nun alle wirtschaftlich selbstständig, die Arbeit an neuen Projekten, Kunstwerken, Entwürfen muss weitergehen. Die Tage in der Ausstellung auch dafür zu nutzen, sei jedoch meist kaum möglich. Wenn die Ausstellung geöffnet sei, kämen immer Besucher. Silvia Klöde: „Die Gespräche mit ihnen sind natürlich auch eine Anregung. Im Atelier arbeitet man eher einsam, hier bekommt man direkt eine Resonanz auf das, was man geschaffen hat.“

Und fast immer sei sie positiv: Das bestätigen alle Mitglieder der Künstlergruppe. „Viele Besucher sind erstaunt, dass auch das Porzellan ist“ so Silvia Klöde. Ungewohnte Formen, phantasievolle Malerei auf Skulpturen, Bildern und Gefäßen: Was in der Görnischen Gasse 4 zu sehen ist, hat mit traditionellem Zwiebelmuster nichts zu tun. Olaf Fieber zitiert aus dem Gästebuch der Schau: „Seit 20 Jahren langweilt mich das Thema Porzellan unendlich. Ab heute hat es einen Lichtblick“, schreibt da ein Besucher. Manche Gäste hätten gar nicht geahnt, dass es in Meißen abseits der bekannten staatlichen Manufaktur Produktion und künstlerische Auseinandersetzung mit Porzellan gäbe, so Fieber. Das treffe vor allem auf weit gereiste Besucher zu – Touristen zumeist, für die Meißen ein Urlaubsort ist. Die Einheimischen – Ausstellungsbesucher – kennen dagegen meist die fünf beteiligten Künstler. „ Ich merke, dass sie aufmerksam verfolgen, was wir machen.

Andreas Ehret, Olaf Fieber, Gudrun Gaube, Silvia Klöde und Sabine Wachs arbeiteten einst alle in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur. Ihre Kreativität haben sie mit dem Abschied aus der „Manu“ aber nicht verloren. Sie pflegen ihre eigenen künstlerischen Handschriften und entwickeln sie weiter. Dass sie nun in einer Künstlergruppe zusammenarbeiten, sei eine Bereicherung, sagt jeder von ihnen. „Durch die Zusammenarbeit sind wir einander näher gerückt. Das ist angenehm“ so Silvia Klöde. „Jeder übernimmt hier einen Part, alleine hätte keiner von uns so eine Ausstellung stemmen können.“ Gudrun Gaube ergänzt, dass die gemeinsame Schau gerade auch deshalb von den Besuchern geschätzt werde: „Hier kann man eben fünf verschiedene künstlerische Handschriften entdecken. Da findet jeder etwas, das ihn anspricht.“

Das Gästebuch der Ausstellung ist schon einen Monat vor Ausstellungsende gut gefüllt. Glückwünsche zur Schau, Lob, und der Wunsch, die „weißen Elefanten“ mögen auch in Zukunft im Meißner Kulturleben präsent sein, finden sich darin. Der „Weiße Elefant“ ist eine der privaten Kultur-Initiativen, von denen es in Meißen einige gibt. Besucher-Erfolg und Aufmerksamkeit hin oder her: Von städtischer Seite hebe es bislang keine Reaktion auf die viel beachtete Ausstellung gegeben, sagt Olaf Fieber. Dagegen zeigen Meißner Künstler einiges Interesse an dem, was sich seit April in der Görnischen Gasse tut.

Die Schau könnte ein Zeichen des viel beschworenen Aufbruchs in dem lang vernachlässigten Stadtviertels sein.

Das Haus Görnische Gasse 4 ist jedenfalls nicht zum ersten Mal Ort für eine Kunst-Aktion. Schüler des Landesgymnasiums Sankt Afra hatten hier schon ausgestellt. Zu den filigranen Porzellan-Kunstwerken von Ehret, Fieber, Gaube, Klöde und Wachs bildet der morbide Charme der Schauräume einen kräftigen und anregenden Kontrast. Die Besucher der Ausstellung seien auch vom Ort der Präsentation angetan, sagt Andreas Ehret. „Eine schöne Symbiose“  zwischen den Kunstwerken und der temporären Galerie sei da entstanden. Bei aller Baufälligkeit sähen doch viele Gäste, welchen Zauber das alte Gemäuer habe. Könne die Görnische Gasse 4 wieder zum Schauplatz für eine Ausstellung der Gruppe „Weißer Elefant“ werden? Das wäre schön, sagt Andreas Ehret. Allerdings sei ja eine Sanierung des Hauses vorgesehen: „Wir müssen abwarten, was da passiert.“

Auf alle Fälle wollen die fünf Mitglieder der Künstlergruppe auch über die Ausstellung hinaus zusammenarbeiten. Man plane schon für das nächste Jahr, sagt Andreas Ehret. Die gemeinsame Arbeit biete die Chance, eine Beziehung zur Stadt aufzubauen, ergänzt Gudrun Gaube – und Meißen damit wirklich zu einer Porzellanstadt zu machen. „Wo sieht man denn hier Porzellan in der Stadt? Wo kann man es erleben?“

Noch bis zum 20. Oktober in der Ausstellung der „weißen Elefanten“ in der Görnischen Gasse4.
(Zitat/Quelle: Meißner Tageblatt, Toralf Grau)